Kalendereffekt versüßt Bilanz (17. 01. 2005)
Nach ersten Erkenntnissen des Statistischen Bundesamtes hat sich das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2004 im Vergleich zum Vorjahr real um 1,7 Prozent erhöht. Nach drei Jahren mit quasi Nullwachstum ist das der stärkste Anstieg seit dem Jahr 2000 (+ 2,9 Prozent).
Bruttoinlandsprodukt in Preisen von 1995 - jeweils Veränderung gegenüber dem Vorjahr - nach Ausschaltung des Kalendereffektes

Versüßt wurde die Bilanz allerdings dadurch, dass im Jahr 2004 4,7 Arbeitstage mehr als im Vorjahr zur Verfügung standen, woraus sich ein so genannter Kalendereffekt von +0,5 Prozentpunkten ergab. In den Jahren zuvor waren die kalenderbedingten Änderungen der Wachstumsraten klar geringer ausgefallen.
Die Wirtschaftsleistung wurde im Jahresdurchschnitt 2004 von 38,4 Mio. Erwerbstätigen erbracht, das waren 128 000 Personen mehr (+0,3 Prozent) als ein Jahr zuvor. Die Anzahl der Erwerbslosen (in europäischer Zählweise) stieg im Jahr 2004 gegenüber dem Vorjahr um 82 000 (+2,1 Prozent) auf 3,9 Mio. Menschen. Der Anteil der Erwerbslosen an der Gesamtzahl der Erwerbspersonen erhöhte sich leicht von 9,1 im Jahr 2003 auf 9,3 Prozent in 2004.
Jahr
%
%
1994
2,3
2,4
1995
1,7
1,8
1996
0,8
0,8
1997
1,4
1,5
1998
2,0
1,7
1999
2,0
1,9
2000
2,9
3,1
2001
0,8
1,0
2002
0,1
0,1
2003
-0,1
-0,1
2004
1,7
1,1

Nur das Baugewerbe im Minus
Dabei haben alle Wirtschaftsbereiche, außer dem Baugewerbe, positiv zum Wirtschaftswachstum beigetragen. Den größten Anstieg gab es im Produzierenden Gewerbe ohne Baugewerbe (+4,7 Prozent), gefolgt von Land- und Forstwirtschaft, Fischerei (+3,0 Prozent), Handel, Gastgewerbe und Verkehr (+2,1 Prozent), Finanzierung, Vermietung und Unternehmens-Dienstleister (+1,6 Prozent) sowie öffentliche und private Dienstleister (+0,1 Prozent). Dagegen setzte sich der seit 1995 zu beobachtende Abwärtstrend im Baugewerbe auch in 2004 fort: Die Wirtschaftsleistung ging im Baubereich um 2,4 Prozent und damit im fünften Jahr in Folge zurück.

Sparquote strebt neue Höhen an
Bei leicht geringerer Bevölkerungszahl (-0,0 Prozent) erhöhte sich das Volkseinkommen je Einwohner um 3,0 Prozent auf rund 19 600 Euro.
Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte nahm im Jahr 2004 nahezu gleich stark zu (+1,3 Prozent) wie im Vorjahr und erreichte 1 408 Mrd. Euro. Die privaten Konsumausgaben erhöhten sich im gleichen Maße (+1,3 Prozent). Von 1992 bis 2000 hatten die privaten Konsumausgaben in allen Jahren stärker zugenommen als das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte. In den Jahren 2001 bis 2003 hatte sich dieses Verhältnis umgekehrt und die Kaufzurückhaltung der privaten Haushalte hatte wesentlich zu der schwachen Wirtschaftsentwicklung beigetragen. Die Sparquote erhöhte sich von 10,7 im Jahr 2003 auf 10,9 Prozent in 2004 und erreichte damit den höchsten Stand seit 1995 (11,2 Prozent).

Maastrichtkriterien verfehlt
Der Staatssektor wies im Jahr 2004 nach noch vorläufigen Berechnungen ein Finanzierungsdefizit von 84,5 Mrd. Euro auf; bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen sind dies 3,9 Prozent. Der Referenzwert nach dem Maastrichtvertrag liegt bei 3 Prozent.