Buchtipp (17. Oktober 2013, 26. November 2013)

Wärmedämmstoffe
Kompass zur Auswahl und Anwendung

Spätestens seitdem der Begriff der energetischen Sanierung in unseren Köpfen herumgeistert, sind die Wärmedämmstoffe nicht mehr aus der öffentlichen Debatte wegzudenken. Dabei haben energetische Versäumnisse noch in den 1980er und 1990er Jahren dazu geführt, dass eine Vielzahl von Gebäuden entstanden ist, die nach heutigen Maßstäben nicht mehr energieeffizient sind und nun aufwendig mit Dämmstoffen eingepackt werden sollen. Hinzu kommen natürlich noch die Millionen Altbauten. Energiewende heißt die alles beherrschende Zauberformel.

Wärmedämmstoffe spielen dabei die Hauptrolle. Experten gehen von einem 100- Milliarden-Euro-Markt pro Jahr aus! Wen wundert es da, dass nicht nur seriöse Geschäftsleute am Werk sind. Üppige Energieeinsparversprechen an die Hausbesitzerklientel, die sich im Nachhinein oftmals erst nach Jahrzehnten einstellen, bekleiden den Dämm-Auswuchs. Denn Dämmstoff ist nicht gleich Dämmstoff und allein die Außenwanddämmung bringt allein nicht den ersehnten Einsparungseffekt! Die vorhandene bauphysikalisch äußerst diffizile Gebäudesubstanz wird in vielen Fällen gar nicht erst richtig untersucht!

   

Der druckfrische Buchtitel: Wärmedämmstoffe – widmet sich dieser scheinbar unumkehrbaren Entwicklung, um bei der Auswahl und Anwendung besagter Materialien gar nicht erst Fehler aufkommen zu lassen. Ein vierköpfiges Expertenteam (zwei Frauen und zwei Männer) hat nun gründlich aufgeräumt mit diesem Dämmstoff-Chaos. Bereits im Vorwort verweisen die Autoren/Autorinnen darauf, dass mehr als 200 Dämmstoffe (in über 80 Standardverfahren) nur darauf warten, verbaut zu werden! Die Aufgabe lautet: unsere Bestandsbauten nachträglich zu dämmen!

Besonders anzumerken ist, dass die aufgelisteten Dämmstoff-Übersichten den aktuellen Stand des Marktes umfassend und vor allem neutral abbilden, wobei vier Sanierungsstrategien beispielhaft im Fokus der Betrachtung stehen:
- auf der Basis baurechtlicher und bauphysikalischer Anforderungen,
- das Herausfinden des besten Dämmstandard für das jeweilige Bauteil anhand der Energieeinsparung, der Heikostenersparnis und des Klimaschutzes,
- bei gleichzeitiger Minimierung der Kosten sowie
- unter Anwendung der schlanksten Konstruktion, wenn Traglasten dies erforderlich machen!

Ein Blick in das Werk soll die Herangehensweise und Umsetzung der Materie näher beleuchten. In Kapitel 1 werden, wie in diesen Fällen üblich, die Grundlagen für die Wärmedämmung gelegt. Von der Geschichte angefangen, über die bauphysikalischen Grundlagen bis hin zur Wärmedämmung und Heiztechnik erfährt der interessierte Leser alles Erforderliche, damit er die wichtigsten Sachverhalte rund um die Wärmedämmung richtig einzuordnen vermag.

Kapitel 2 befasst sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen, dem Sanierungsbedarf in Deutschland und den wichtigen Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Die Autoren gewähren in diesem Abschnitt einen aktuellen Überblick über den Stand der Modernisierung, die Kosten und die spezifische Amortisation, die natürlich nie aus den Augen verloren werden darf. Ein interessantes und informatives Kapitel zugleich, das zeigt, wie sich die Gebäudesanierung in Deutschland derzeit darstellt.

Bevor die Dämmstoffarten und deren Merkmale vorgestellt werden, befasst sich das Autorenkollektiv  mit den Einsatzbereichen und den Verfahren in der Bestandssanierung. Sowohl grafisch als auch textlich begleitend werden die wichtigsten Dämmmaßnahmen am bestehenden Gebäude erläutert und anschaulich ins Bild gesetzt. Die betroffenen Gebäudeteile, die eine effiziente Wärmedämmung in der Summe ausmachen, wie das Dach, die oberste Geschossdecke, die Außenwand, die Kellerdecke und die erdberührten Bauteile, werden systematisch beleuchtet und fachlich intensiv diskutiert.

Die sich daran anschließenden Dämmstoffarten und Dämmstoffmerkmale (Kapitel 4) geben dem potentiellen Sanierer die Informationen, die er benötigt, um den richtigen Dämmstoff für die richtige Sanierungsmethode auswählen zu können. Anhand der Dämmstoffkennwerte ist ablesbar, wofür welcher Dämmstoff gut oder gar nicht geeignet ist.

Den Hauptteil des Buches, Kapitel 5, nimmt der Dämmstoffkatalog ein. Auf 239 Druckseiten bekommt der Interessent alle Dämmstoffe systematisch vorgestellt und erläutert, die der Markt aktuell zu bieten hat. Eine beeindruckende Auflistung, die jeden Modernisierer in die Lage versetzen sollte, den für ihn und seine Baumaßnahme passenden Dämmstoff auswählen zu können.

Jeder Dämmstoff wird in seiner individuellen Beschreibung gleich behandelt: Von der Zulassung, dem Hersteller, dem Rohstoff, der Herstellung, den Eigenschaften, den Einsatzbereichen, den gesundheitlichen und ökologischen Aspekten sowie der Entsorgung. Also alle Kennwerte, die ein Modernisierer braucht, um eine effiziente und seriöse Wärmedämmung in die Tat umzusetzen.

Den Abschluss des Werkes bilden eine Normen- und Rechtsvorschriftenübersicht und ein umfangreiches Herstellerverzeichnis.

Fazit: Die novellierte EnEV, die am 16. Oktober 2013 verabschiedet wurde, sieht eine Anhebung der energetischen Anforderungen an Neubauten ab dem 1. Januar 2016 um durchschnittlich 25 Prozent des zulässigen Jahres-Primärenergiebedarfs und um durchschnittlich 20 Prozent bei der Wärmedämmung der Gebäudehülle - dem so genannten zulässigen Wärmedurchgangskoeffizienten - vor. Die modifizierte EnEV ist im Bundesgesetzblatt Teil I 2013 Nr. 67 vom 21. November 2013 verkündet worden. Das bedeutet, die EnEV-Novelle tritt am 1. Mai 2014 in Kraft. (Quelle: www.bundesregierung.de)

Für die Millionen Altbauten (Bestandsbauten)  wird es keine weitere Verschärfung zur Sanierung geben (Maßgabe wie bisher: EnEV 2009 und Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2: 2/2013). Das bedeutet, dass jeder Hausbesitzer seine Modernisierung, die ja irgendwann ansteht, gewissenhaft vorbereiten und planen kann. Denn übereilte Sanierungen führen lediglich dazu, dass Gebäude kaputt saniert werden. Leider kein Einzelfall in Deutschland.

Mit der ernsthaften öffentlichen Wahrnehmung der Wärmedämmstoffe in den 1970er Jahren, nach der ersten Ölkrise, sind diese Materialien nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken. Ein riesiger Markt beherrscht heute die Szenerie. Dank der Autorengruppe, die ihren fachlichen Hintergrund im IpeG (Institut für preisoptimierte energiesparende Gebäudemodernisierung), Paderborn, bezieht, gibt es nun einen fundierten Kompass zu allen relevanten Wärmedämmstoffen am Markt, der es erlaubt, Wärmedämmstoffe nach seinen individuellen Eigenschaften und Fähigkeiten fachlich korrekt einzusetzen.

Jeder Hausbesitzer, der mit dem Gedanken spielt, sein Gebäude energetisch auf Vordermann zu bringen, sollte sich die Möglichkeit offen halten, einen Blick in die einzigartige Marktübersicht zu sichern. Darüber hinaus gibt dieses Fachwerk allen Planern, Handwerkern und Investoren eine Fülle von Fachwissen rund um die Dämmstoff-Thematik an die Hand, die es zu nutzen gilt.

Beachte: Ab Mai 2014 werden so genannte Energieeffizienzklassen aus dem Endenergieverbrauch oder dem Endenergiebedarf (A+ < 30 [kwh/(m²a)] bis H > 250 [kwh/(m²a)]) für den Energieausweis eingeführt. Kennwerte aus dem Ernergieausweis werden darüber hinaus zu Pflichtangaben in Immobilienanzeigen (§ 16a EnEV). Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt

Bibliografische Daten
Wärmedämmstoffe
Kompass zur Auswahl und Anwendung
Von Arnold Drewer, Hanne Paschko, Kerstin Paschko und Markus Patschke.
2013. 17 x 24 cm. Gebunden. 386 Seiten mit 227 Abbildungen und 245 Tabellen.
89 Euro
ISBN 978-3-481-03094-0
Rudolf Müller Verlag, Köln
URL: www.baufachmedien.de

Weitere Infos auch unter: www.ipeg-institut.de