Skandalöse Bauverträge (08. 12. 03)
"65 Prozent aller Bauverträge haben eklatante Mängel", beklagt Erich Herf, Vor-sitzender des Verbandes Privater Bauherren (VPB). "Das ist ein Skandal, hier muss sich etwas ändern", postuliert der Verbraucherschützer angesichts der trau-rigen Ergebnisse einer Umfrage seines Verbandes. Der VPB, der seit seiner Grün-dung 1976 über 50 000 private Bauherren in Deutschland vertreten hat, sieht enor-men Handlungsbedarf zum Schutz der Verbraucher.

Der Verband stützt sich bei seiner Kritik auf eine bundesweite Umfrage unter den eigenen 46 Beratungsbüros. Der Untersuchung zufolge liegen die Daten von ins-gesamt 6 000 betreuten Mitgliedern im Jahre 2002 zu Grunde. Danach ließen sich im vergangenen Jahr rund drei Viertel aller Bauherren vom VPB im Neubaubereich beraten, ein Viertel der Beratungen bezogen sich auf den Sektor Altbau. Im Durch-schnitt waren die Baubeschreibungen, die Bauherren als Vertragsgrundlage von Schlüsselfertigherstellern und Bauträgern zur Unterschrift angeboten bekamen, nur drei bis vier Seiten knapp. Das, so die Kritik des Verbandes, sei nicht ausreichend, um alle nötigen Bauleistungen exakt zu beschreiben und alle Details korrekt auf-zulisten.

 
Mangelhafte Planung verursacht die meisten Schäden am Bau
 

Das Resultat: Bei 65 Prozent der bautechnisch geprüften Angebote fehlten wich-tige Leistungen. Insgesamt 73 Prozent aller Vertragsentwürfe beinhalteten nur vage formulierte Planungsleistungen. All diese Mängel in den Baubeschreibungen summierten sich zu enormen Nachzahlungen, die die Bauherren im Laufe des Bau-fortschritts leisten mussten. Die Untersuchungen der VPB-Berater zeigen: Die Schäden durch Mängel lagen bei rund 28 000 Euro im Durchschnitt aller betreuten Bauten. Diese Summen beziehen sich auf laufende Bauvorhaben, bei denen die Bauherren erst während des Baus die Hilfe eines VPB-Sachverständigen in An-spruch nahmen. Kamen die Bauherren bereits vor Baubeginn und ließen sich schon vor Vertragsabschluss bautechnisch beraten, konnten die VPB-Berater im Schnitt Mängel in Höhe von 16 000 Euro pro Bauobjekt feststellen und durch recht-zeitige Nachbesserung der Verträge sparen helfen. "Das zeigt nicht nur, wie wich-tig die Bauberatung im Vorfeld ist", so Herf, "sondern auch, wie sehr der Bauherr als Laie der Willkür mancher Anbieter ausgesetzt ist."

Der VPB fordert deshalb seit langem verbindliche Richtlinien für Bauverträge. "Fast 60 Prozent aller Baubeschreibungen sehen Zahlungspläne mit überhöhten Abschlagsleistungen vor", moniert Herf. Das heißt, die Zahlungen entsprechen nicht dem Baufortschritt. Das dicke Ende kommt oft hinterher: "Im vergangenen Jahr waren 6 Prozent unserer Bauherren von Firmeninsolvenzen betroffen. Über 40 Prozent dieser Bauherren hatten bereits wesentlich mehr bezahlt, als sie an Lei-stungen bekommen hatten, sie haben viel Geld verloren." Der VPB hält das für skandalös, denn "drei Viertel der Bauherren bekommen trotz überhöhter Ab-schlagszahlungen keinerlei Sicherheiten vom Bauträger eingeräumt." Diese sind jedoch unabdingbar, wenn der Bauherr sich vor Insolvenz schützen und die Mängel-beseitigung durchsetzen will.