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Renditekick
vom Staat (04. 11. 03)
Wer mit dem Gedanken spielt, einen Bausparvertrag abzuschließen,
der sollte nicht mehr lange zögern. Denn geht es nach dem Willen
der Bundesregierung, sind die reizvollen Prämien für Häuslebauer
auf der so genannten Streichliste. Jeder Bausparwillige sollte also bis
zum 31. Dezember 2003 einen Bausparvertrag seiner Wahl unterzeichnen,
um sich so noch die staatlichen Renditebringer zu sichern.
Genau
überlegen - erst dann abschließen
So lohnend und gewinnbringend, wie das Bausparen vollmundig in den Hochglanz-broschüren
angepriesen wird, ist es in Wirklichkeit natürlich nicht. Deshalb
sollte jeder Interessent vorher genau überlegen, damit er am Ende
nicht enttäuscht ist. Wichtiger Tipp: Sich dabei niemals unter Zeitdruck
setzen lassen und die zahl-reichen Tarife genau vergleichen. Eine Statistik
aus dem Jahre 2001 besagt zum Beispiel, dass im Jahr 2000 zwar gut 2,2
Millionen Bausparer planmäßig ihr Darle-hen abriefen, aber
auch 1,7 Millionen ihren Vertrag vorzeitig gekündigt haben.
Gut
gegen Zinsängste
Blickt man auf die letzten zehn Jahre, so haben wir es fast nur mit fallenden
Zin-sen zutun gehabt. Bausparen rentiert sich aber besonders dann, lässt
man einmal die staatlichen Bonbons außen vor, wenn die Zinsen steigen.
Wie heißt es so schön aus dem Munde eines Bausparverkäufers,
insbesondere in einer Niedrig-zinsphase, in der wir uns seit längerem
befinden: Ein Bausparvertrag ist eine Art Versicherung gegen steigende
Zinsen. Deshalb denken viele Bausparkassen mit Sorge daran, was aus ihrem
Produkt wird, wenn die Zinsen niedrig bleiben und die staatlichen Zuschüsse
wegbrechen.
Wohnungsbauprämie
Nach der Börsenblase und der anhaltenden Wirtschaftsflaute stecken
die Zinsen im Tal der Tränen. Wen wundert es da, dass die Bausparkassen
zweistellige Zu-wachsraten verkünden. In Niedrigzinsphasen fallen
die geringen Ansparzinsen, die Bausparkassen nun mal anbieten, gar nicht
weiter auf. So bekommt der Bau-sparer zur Zeit je nach Tarif circa 1,5
bis 2,0 Prozent Zinsen. Woanders bekommt er im Moment auch nicht mehr.
Und am Ende - das wiederum macht den Rendi-tekick aus - einen so genannten
Bonuszins von rund 1,5 bis 2,75 Prozent. Aber bitte nicht zu früh
freuen, den gibt es nur, wenn Sie am Ende der Laufzeit, also nach rund
sieben Jahren, auf die Auszahlung des Darlehens verzichten. Bekommt man
den staatlichen Anreiz, sprich die Wohnungsbauprämie, noch dazu,
wird Bausparen noch lukrativer.
Die Einkommensgrenzen liegen für Ledige bei 25 600 Euro und für
Verheiratete bei 51 200 Euro. Diese Summen stehen für zu versteuerndes
Einkommen im jewei-ligen Sparjahr. Also Bruttoverdienst minus Werbungskosten
und Freibeträge. Beachte: Die Wohnungsbauprämie wird
allerdings nur bis zu einer Obergrenze auf die Spargelder bezahlt. Bei
Ledigen sind das maximal 512 Euro und 1 024 Euro bei Verheirateten.
Vermögenswirksame
Leistungen
Viele Arbeitnehmer, deren zu versteuerndes Einkommen die VL-Spar-Kriterien
nicht übersteigt, können sich mit der Arbeitnehmersparzulage
ein weiteres Bonbon vom Staat sichern. Die zu versteuernden Einkommensgrenzen
liegen für Ledige bei 17 900 Euro und für Verheiratete bei 35
800 Euro. Mit der Wohnungsbauprämie und der Arbeitnehmersparzulage
kommt ein Bausparer nach sieben Jahren auf satte Renditen von über
sechs Prozent. Welcher Finanzdienstleister kann das schon derzeit anbieten?
Bauspartarife
den eigenen Möglichkeiten anpassen
Ausgehend von den eigenen finanziellen Möglichkeiten sollte sich
jeder den pas-senden Tarif aussuchen. Das bedeutet, mehrere Bausparangebote
zu vergleichen. Unterschiede in der Rendite von bis zu 1,5 Prozent sind
dabei keine Seltenheit.
Unter Bausparen versteht man normalerweise die Kombination von Ansparphase
und anschließender Darlehensphase. Wissen Sie von vornherein, dass
Sie nicht bauen wollen, dann wählen Sie die reine Geldanlage mit
Zuschüssen und Prämien. Anstelle eines Finanzierungstarifes
greifen Sie einfach zu einem Spartarif, der auf eine Laufzeit von sieben
Jahren ausgelegt ist und ähnlich wie eine Festgeldanlage funktioniert.
Vorsicht: Wer die sieben Jahre nicht durchsteht, also vorher kündigt,
bekommt gar nichts und muss oftmals bereits erhaltene Zuwendungen zurückzahlen.
Die Rechnung muss also lauten: Sieben Jahre - Spartarif - Darlehensverzicht!
Die Wahl sollte dabei auf hohe Guthabens- und Bonuszinsen fallen. Beide
Zins-größen ergeben derzeit Renditen von bis zu 4,75 Prozent.
Wichtiger Tipp: Damit die anfallenden Kosten, beispielsweise die
Kontoführungs- und die Abschlussgebühr, nicht ihre Rendite schmälern,
sollten Sie das vor Ver-tragsabschluss unbedingt klären. Die Frage
könnte lauten: Ob Ihre Bausparkasse bei Darlehensverzicht die ein
bis 1,6prozentige Abschlussgebühr zurückerstattet. Entscheiden
Sie sich immer für den Tarif, der nach sieben Jahren das höchste
Guthaben ausweist. Um jederzeit auf der Höhe zu sein, lassen Sie
sich Spar- und Tilgungspläne mit auf den Weg geben.
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Bausparen
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Pro
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Contra
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garantierter, mäßiger Darlehens-zins (nominal 2,75 bis
6 Prozent)
- staatliche Förderung bei geringem und mäßigem
Einkommen
- Anreiz zum regelmäßigen monatlichen Sparen
- schnelle Tilgung durch hohe Raten
- Sondertilgungen möglich
- gut bei steigenden Zinsen
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lange Sparphase, wenig flexibel
- oftmals hohe Gebühren
- niedriger Sparzins, nur bei Darle-hensverzicht höher
- hohe monatliche Tilgungsraten
- Bausparsumme zu gering für Immobilienkauf
- Kreditzuteilung und eigene Kauf-pläne oft nicht koordinierbar
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Richtige
Bausparsumme wählen
Die Bausparkassen bieten in der Regel alle Tarifformen an, die der Interessent
hinterfragt. Zum Beispiel einen Tarif, der einen hohen Sparzins beschert,
oder eine schnelle Zuteilung oder ein hohes Darlehen. Drei Komponenten
laufen Ihnen dabei immer über den Weg: Zins - Tilgung - Laufzeit!
Hier gilt es unbedingt aufzupassen. Wer eine schnelle Zuteilung anstrebt,
bekommt einen höheren Darlehenszins. Streben Sie aber einen niedrigen
Darlehenszins an, müssen Sie mit einer hohen Tilgung rechnen. Die
Bausparsummen werden übri-gens von vielen Anbietern nach unten begrenzt.
Am besten Sie wählen eine relativ geringe Bausparsumme aus. 5 000
Euro für Ledige und 10 000 Euro für Verheiratete reichen vollkommen
aus, um alle Ver-günstigungen einzustreichen.
Beachte: Da die Darlehen innerhalb von sieben bis elf Jahren zurückgezahlt
wer-den müssen, liegt die Mindesttilgung bei vier Prozent im Jahr.
Zum Vergleich: Bankdarlehen laufen oftmals länger und haben nur eine
Tilgung von einem Prozent pro Jahr. Jedem sollte bekannt sein, dass ein
Bauspardarlehen immer nur ein Baustein in der Finanzierungskette einer
Immobilie darstellt. Des-halb sollte man sich bei der monatlichen Tilgung
nicht übernehmen.
Geldwerter Tipp: Eine höhere Bausparsumme erhöht die
Kosten für die Ab-schlussgebühr und verzögert oftmals die
Darlehenszuteilung. Notfalls kann auch die Bausparsumme nachträglich
erhöht werden. Hier sollten Sie aber auf die Ge-bühren und die
Sperrzeit für die Zuteilung achten.
Nicht
überrumpeln lassen
Konventionelles Bausparen macht nur bei langfristiger Lebensplanung Sinn.
Wer also nicht sieben Jahre auf einen Kredit warten will oder kann, sollte
den Weg über einen Hypothekenkredit wählen. Da fährt er
auf jeden Fall günstiger. Zumal wir uns in einer Niedrigzinsphase
befinden. Sichern Sie sich beispielsweise einen zur Zeit am Markt angebotenen
niedrigen Zins über zehn oder fünfzehn Jahre. Finger weg von
einer Zwischenfinanzierung oder einer so genannten Sofortfinanzierung.
Das kann sehr teurer werden. Ebenso aufpassen sollte man bei jeder Anschlussfinan-zierung.
Vorsicht: Allzu gern bieten Bausparkassen so genannte "Konstantmodelle"
an. Ein Gebilde aus Vorausdarlehen und Bausparsumme. Die Folge: Zu hohe
Kredite mit gleich hohen Raten. Hierbei sollte unbedingt der Gesamteffektivzins
erfragt werden, also für das Vorausdarlehen und das Bauspardarlehen.
Damit später nicht das böse Erwachen kommt und die Monatsraten
Sie nicht in die Armut treiben.
Tipps
für Bauherren in spe: Steht der Bau unmittelbar bevor, sollte
der Bauspar-vertrag nochmals fachmännisch begutachtet werden. Sehr
häufig lässt er sich nachträglich optimieren. Man denke
nur an Sonderzahlungen oder an eine Er-höhung der Bausparsumme. Wird
ein künftiges Bauspardarlehen zu teuer und er-halten Bauherren wegen
zu hohen Einkommens keine Subventionen, empfiehlt sich die Kündigung
des Vertrages.
Fazit:
Jeder Bauherr baut in der Regel nur einmal im Leben. Die Finanzierungs-strategie
sollte deshalb sicher und lückenlos sein. Ein Bausparvertrag kann
des-halb nur ein Glied in der Finanzierungskette sein. Die bekanntlich
aus Eigenka-pital, am besten über zwanzig Prozent der Bausumme, Hypothekendarlehen,
Ver-sicherungsdarlehen und Bausparvertrag besteht.
Dipl.-Ing. (FH) Uwe Morchutt
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