EZB senkt erneut den Zins (15. Januar 2009)
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am 15. Januar 2009 den Leitzins, wie von vielen Auguren erwartet, um 50 Basispunkte auf nun 2,00 Prozent gesenkt. Zuletzt hatte der Leitzins im Dezember 2005 auf diesem niedrigen Niveau gestanden. Die EZB reagiert mit ihrer erneuten Zinssenkung auf den rapiden wirtschaftlichen Abschwung in Europa, der in dieser Heftigkeit alle überrascht hat. Anfang Dezember 2008 ging die Notenbank noch davon aus, dass die Euro-Wirtschaft 2009 nur um 0,5 Prozent schrumpft. EZB-Vertreter räumten zwischenzeitlich ein, dass diese Prognose viel zu optimistisch war.

Spielraum für weitere Zinssenkungen behält sich die EZB vor: Durch die sinkende Kapazitätsauslastung und steigende Arbeitslosigkeit schwindet der Inflationsdruck. Schon zuletzt ist die Teuerungsrate wie nie zuvor gefallen - von 4,0 Prozent im Juli auf 1,6 Prozent im Dezember 2008.

Deflation macht die Runde
Die Angst vor einer Deflation nimmt zu – sprich eine längere Phase mit sinkenden Verbraucherpreisen. Die EZB sieht Preisstabilität mittelfristig nur gewährleistet, wenn die Inflationsrate bei knapp unter zwei Prozent liegt. Die fallenden Rohstoffpreise und der seit Sommer förmlich eingebrochene Ölpreis reduzieren den Preisdruck und entlasten derzeit die Verbraucher europaweit. Nach fast 150 US-Dollar kostet ein Barrel Öl (159 Liter) derzeit weniger als 40 US-Dollar.

„Crash-Prophet“: handwerkliche Umsetzung ist grottenschlecht
Seitdem der Ökonom Max Otte die Finanzkrise voraussah, gilt er für viele Menschen als Weissager. Die aktuelle Senkung des EZB-Leitzinses hält er für sinnlos: Denn eine Weltwirtschaftskrise müsse mit schärferen Maßnahmen verhindert werden.Otte musste erst zur Kassandra (Warnung vor einer Katastrophe) werden, um als Experte in der Öffentlichkeit überhaupt Gehör zu finden. Denn als Professor einer Fachhochschule in der Provinz Rheinland-Pfalz galt der Rat des Wirtschafswissenschaftlers bis vor zwei Jahren fast gar nichts.

Der Prophezeier aus Worms sieht die derzeitige handwerkliche Umsetzung der Bundesregierung als grottenschlecht an, wird er auf das Rettungspaket für die Banken angesprochen. Seine jetzige Prognose lässt nichts Gutes erahnen: Ottes Meinung nach bekommen wir eine satte Rezession, die in einer Weltwirtschaftskrise mündet mit "brutalen" Folgen, die keiner vorhersagen kann, und die etwa zwei Jahre andauern dürfte. umo