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Zwangsversteigerungen: Hoch hält an (10. April 2006)
Die Zahl der Zwangsversteigerungen in Deutschland ist im Jahr 2005 abermals angestiegen. Im abgelaufenen Jahr setzten die Gerichte 92 577 Termine für diese durchaus in Mode gekommene Art der Immobilienveräußerung an. Das waren 0,3 Prozent mehr als 2004 (92 306). Die Summe der Verkehrswerte sank aber nur unwesentlich von 18,8 auf 18,3 Mrd. Euro. "In wirtschaftsschwachen Regionen wurden die Verkehrswerte herabgesetzt, weil Immobilien häufig auch beim dritten oder vierten Termin keine Käufer finden", resümierte unlängst Argetra-Geschäftsführer Winfried Aufterbeck, Ratingen.

Zehn Jahre verfehlte Politik unter dem Hammer
Die meisten Objekte, die unter den Hammer kamen, waren Eigentumswohnungen (36,4 Prozent), gefolgt von Wohn- und Geschäftshäusern (28,4 Prozent) sowie Ein- bis Zweifamilienhäusern (27,2 Prozent). Im Zehnjahres-Vergleich hat sich die Zahl der Zwangsversteigerungstermine in Deutschland fast vervierfacht. 1995 gab es nur 26 100 Immobilien-Zwangsversteigerungen.

Nicht nur mehr ein Ostproblem
Einige alte Bundesländer fallen durch deutliche Veränderungen auf: Schleswig-Holstein/Hamburg (+11,2 Prozent), Rheinland-Pfalz (+5,4 Prozent) Bayern (+5,1Prozent) Baden Württemberg (-3,3 Prozent), Hessen (-4,8 Prozent), Nordrhein-Westfalen (-4,5 Prozent) und Niedersachsen/Bremen (-0,5 Prozent). Ostdeutschland ist nach wie vor Spitzenreiter in der Zwangsversteigerungs-Statistik, und zwar mit hohen Versteigerungszahlen. Allerdings bewegen sich die Veränderungen zum Vorjahr im moderaten Bereich. Sachsen/Thüringen (-0,2 Prozent), Berlin/Brandenburg (+3,7 Prozent) sowie Sachsen-Anhalt/Mecklenburg-Vorpommern (+3,5 Prozent) liegen inzwischen nicht mehr weit weg vom Bundesdurchschnitt (-0,3 Prozent).

Sogar Schnäppchen gehen nicht
Die ostdeutschen Bundesländer führen die Statistik weiterhin an. Gemessen an der Einwohnerzahl gab es 2005 etwa in Sachsen und Thüringen rund vier Mal so viele Zwangsversteigerungen wie in Bayern. Aufterbeck macht für die vielen Termine im Osten die Gründungs- und Investitionswelle nach der Wende verantwortlich, die vom Staat durch Abschreibungsmodelle gefördert wurde und zur Überproduktion führte. Viele der Gewerbe- und Renditeobjekte waren unwirtschaftlich, so dass die Kredite nicht mehr bedient werden konnten. "Diese Objekte können auch mit erheblichen Preisnachlässen nicht veräußert werden", betont Aufterbeck. Fazit: Es ist schlicht niemand daran interessiert. Die Welle von Zwangsversteigerungen, die Ende der neunziger Jahre einsetzte, ebbe laut Aufterbeck jedoch langsam ab.

Drei Grundübel ausgemacht
Als Hauptgründe für die hohe Zahl an Zwangsversteigerungen sieht Aufterbeck vor allem die Überschuldungen, Scheidungen und Erbstreitigkeiten an.
Weitere Infos unter: www.immobilien-versteigerungen.de und www.wsp.de
Kleiner-Ratgeber Immobilienrecht
(von RA Christian Lentföhr):
Augen auf beim Immobilienkauf
(PDF, 146 KB/ 11 DS)