Kommentar: Gilt Deutschland als unregierbar? (19. September 2005)
Deutschland nach der Wahl: Ein Patt spiegelt die desolate Situation Deutschlands anno 2005 wider. Eigentlich kommt der Begriff Patt oder besser Remis aus dem königlichen Brettspiel Schach, nur ist die Lage in Deutschland alles andere als königlich. Nach der Wahl ist man so schlau wie vorher. Wieder einmal wurde die Wette ohne den Wirt, sprich dem Volk, gemacht. Drei große Verlierer sind seit gestern Abend 18.00 Uhr um verbale Schadensbegrenzung bemüht. Die so genannten Volksparteien, die längst das Vertrauen des Volkes verspielt haben und immer neue Tiefststände kommentieren müssen, die Demoskopen, die, so glaubt man ihnen noch, schon immer alles vorher wissen, und die superschlauen Medienvertreter, die ihr vorweg kommentiertes Wahlergebnis in die Mülltonne werfen können. Jetzt heißt es erst einmal: Wunden lecken.

   

Gegenseitige Schuldzuweisungen werden die kommenden Tage bestimmen. Natürlich gibt es wie immer nur Sieger. Die Folge: Weitere Arbeitsplätze verschwinden ins Ausland, wer jung und nicht blöd ist, verlässt das Land, Investoren machen einen großen Bogen um Deutschland, bereits zugesagte Investitionen werden wieder storniert. Die Börse wird die bereits eingepreisten Kurssteigerungen im Zusammenhang mit der Wahleuphorie schnellstens nach unten korrigieren.
Deutschland, wach endlich auf: die fetten Jahre sind lange vorbei!

   

Das Ausland schaut ungläubig und voller Staunen auf "Old Germany", hier und da ist auch etwas Schadenfreude im Spiel. Die Kommentare gehen von Unverständnis und Kopfschütteln, wie "das fass' ich ja nicht" über Lähmung eines ganzen Volkes bis hin zur Unregierbarkeit. Deutschland scheint aus ihrer Sicht tatsächlich unregierbar zu sein.

Die deutsche Wirtschaft, die vom vorläufigen Endergebnis der Wahl maßlos enttäuscht ist, reagiert umgehend auf den unerwarteten Wahlausgang. Siemens macht den Anfang und will weitere 2 400 Stellenkürzungen vornehmen.
Uwe Morchutt